Drei Behörden und ein großer Wohnbereich unter einem Dach
Die Arbeiten am ehemaligen Vulkan-Verwaltungsgebäude sind so gut wie
abgeschlossen, heute (Freitag, 4. November 2016) hat Anja Stahmann,
Senatorin für Soziales, Jugend, Frauen, Integration und Sport, die
Immobilie offiziell ihrer Bestimmung übergeben. Unter einem Dach finden
sich jetzt vier Institutionen: Die
Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) des Landes für die Unterbringung in den ersten Tagen und Wochen, die
Zentrale Aufnahmestelle
des Landes (ZASt), wo die Identität der Antragsteller geprüft wird und
die Entscheidung fällt, in welchem Bundesland sie ihr Verfahren
durchlaufen sowie das
Gesundheitsamt, das die
gesundheitliche Erstversorgung vornimmt und eine tägliche Sprechstunde
für Bewohnerinnen und Bewohner anbietet. Die vierte Einrichtung ist das
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge
(BAMF), das in der kommenden Woche seine Arbeit an dem Standort
aufnehmen wird, der Umzug soll am Wochenende abgeschlossen sein. Das
Bundesamt entscheidet vor Ort über die Asylanträge.
Schlüsselübergabe von Senatorin Stahmann an Martina
Golubew, Leiterin des Wohnbereichs (AWO). Mit dabei waren (v.l.):
Detlef Schütte, im BAMF zuständig für den Bereich Norddeutschland, Hans
Peter Laue, kommissarischer Leiter der BAMF-Außenstelle Bremen, Raymond
Bohnenkamp, Leiter der Zentralen Aufnahmestelle für Flüchtlinge und
Asylbewerber im Land Bremen (ZASt) und Uwe Eisenhut, Leiter des
Fachbereichs Migration bei der AWO.
"Wir haben mit dem neuen Ankunftszentrum wieder alle
maßgeblichen Anlaufstellen für die Erstaufnahme im Land Bremen unter
einem Dach", sagte Senatorin Stahmann. "Für die Menschen, die einen
langen, beschwerlichen Weg hinter sich haben, ist das mit Sicherheit
eine Erleichterung." Das Modell habe sich über Jahrzehnte in der
Steinsetzer Straße bewährt. "Ich bin froh, dass wir an diese Erfahrungen
anknüpfen können."
"Für uns bedeutet der Miteinzug in das
Vulkangebäude die Fortsetzung einer jahrelang bewährten Praxis und engen
Zusammenarbeit", sagte auch Detlef Schütte, derzeit im BAMF als
kommissarischer Leiter der Abteilung 4 zuständig für den norddeutschen
Raum. "Bereits am alten Standort in Habenhausen waren ZASt und Bundesamt
unter einem Dach. Die dadurch entstandene sehr gute Zusammenarbeit kann
nun im Vulkangebäude wieder aufgenommen werden." Das Bundesamt werde
"mit zunächst 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einziehen", sagte
Schütte.
Mit derzeit 700 Betten ist das neue Ankunftszentrum rund
zweieinhalbmal so groß wie die Vorläufer-Einrichtung in Obervieland.
"Damit stoßen wir nicht mehr so schnell an unsere Kapazitätsgrenzen",
sagte Senatorin Stahmann. Bewohnerinnen und Bewohner werden mit drei
Mahlzeiten täglich versorgt, selbst kochen können sie in der
Erstaufnahmeeinrichtung nicht. Die Leitung hat Marina Golubew von der
AWO. Zudem ist Sicherheitspersonal rund um die Uhr vor Ort.
Das ehemalige Verwaltungsgebäude der Bremer Vulkan-Werft ist heute das Ankunftszentrum des Landes Bremen
Das Vulkan-Gebäude ist charakterisiert durch drei sternförmig
angeordnete Gebäudeflügel. Bereits im April war Flügel A als
Notunterkunft hergerichtet worden. Hier sind inzwischen Familien mit
Kindern sowie Alleinstehende vorübergehend untergebracht. Im Erdgeschoss
des Flügels B ist inzwischen eine Großküche mit Speisesaal entstanden,
die oberen Stockwerke stehen als Wohnräume zur Verfügung. Im Flügel C
schließlich sind ZASt, BAMF und Gesundheitsamt untergebracht. Investor
ist die Bührmann-Gruppe aus Bremen, das Büro "architektur + design
pieper GmbH" verantwortet die Ausführung.
Die Arbeiten zur
Sanierung der 1975 errichteten früheren Vulkan-Verwaltungszentrale mit
einer Nettogrundrissfläche von 18.900 Quadratmeter begannen Ende
November 2015 und sind in nur elf Monaten abgeschlossen worden. Allein
263 Tonnen belasteten Materials sind bei der Sanierung des
fünfgeschossigen Gebäudes angefallen, dazu 730 Tonnen unbelastetes
Material. Allein für Entkernung und Schadstoffsanierung waren 20.000
Arbeitsstunden erforderlich. Durchschnittlich waren 60 Bauhandwerker am
Bau, in Spitzenzeiten bis zu 100 – an sechs Tagen in der Woche.
Lüftungs-, Elektro-, Löschwasser- und Heizungsanlagen wurden saniert,
die Sanitäranlagen bedarfsgerecht ausgebaut und 68.000 Quadratmeter
Gipskartonwände für 608 Räume in Wohn- und Bürobereichen eingezogen.
Verbaut wurden unter anderem: 100 Kilometer Schwachstromleitungen, 200
Kilometer Starkstromleitungen, 7,8 Kilometer Abwasser- und
Kaltwasserleitungen, 2.390 Quadratmeter Wandfliesen, 14.436 Quadratmeter
Bodenbeläge, 10,7 Kilometer Fußleisten, drei Brandmeldezentralen mit
insgesamt rund 1.400 Rauchmeldern, drei Sicherheitsbeleuchtungsanlagen
mit etwa 750 angeschlossenen Leuchten, eine automatische
Sprachalarmierungsanlage in vier Sprachen und mit circa 1.100
angeschlossenen Lautsprechern, 3.500 Schalter und Steckdosen, 158
WC-Anlagen, 70 Duschen, fünf Säuglingswannen sowie eine leistungsfähige
Luftumwälzung mit Wärmerückgewinnung.
Das Gesundheitsamt ist
grundsätzlich wochentags mit mindestens einer Ärztin oder einem Arzt
sowie einer Medizinischen Fachangestellten für Erstaufnahme und
Akutbehandlung vor Ort. Senatorin Eva Quante-Brandt: "Wir haben ein
Modell der gesundheitlichen Versorgung etabliert, auf das wir stolz sein
können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitsamtes
leisten hier eine hervorragende Arbeit, das Bremer Modell findet
bundesweit Beachtung." Dazu gehöre, dass bei der Erstuntersuchung neben
der medizinischen und psychologischen Anamnese auch die soziale
Situation der Flüchtlinge erhoben wird. Das bezieht sich auf
Familiensituation, Ausbildung, Beruf und Sprachkenntnisse sowie den
Verlauf der Flucht und die Frage nach Angehörigen oder Bezugspersonen in
Deutschland. Zudem werden alle Flüchtlinge in der neuen Einrichtung
geimpft, festgestellte Impflücken werden geschlossen. In den ersten
Tagen und Wochen können Flüchtlinge die Sprechstunde wiederholt
aufsuchen, bis sie die Gesundheitskarte erhalten, die ihnen den Zugang
zur Regelversorgung nach dem Asylbewerberleistungsgesetz ermöglicht.
In
den ersten zehn Monaten 2016 hat Bremen 2.881 Personen aufgenommen, bis
zum Jahresende wird die Zahl voraussichtlich auf rund 3.200 steigen. Im
Jahr 2015 hatte das Land Bremen 10.274 Flüchtlinge und Asylbegehrende
aufgenommen, im Jahr 2014 waren es 2.233. Das Land nimmt nach dem
Königsteiner Schlüssel derzeit 0,96 Prozent aller Flüchtlinge und
Asylbewerber in Deutschland auf, davon werden 80 Prozent in der Stadt
Bremen und 20 Prozent in der Stadt Bremerhaven betreut.
Derzeit
kommen in der Erstaufnahme des Landes Bremen bis zu 30 Personen täglich
neu an, die meisten werden entsprechend dem Königsteiner Schlüssel
umverteilt. In der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes mit ihren
Dependancen leben derzeit knapp 600 Menschen.
Fotos: Pressereferat der Senatorin.
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